Aus aktuellem Anlass beschäftige ich mich heute – und wohl auch die nächsten Wochen und Monate – etwas intensiver mit dem Thema Sklavenerziehung.  Da ich selbst noch nie eine „richtige“ Sklavenerziehung im klassischen Sinne mit einem Bottom durchgeführt habe und es vielen von euch vielleicht ähnlich geht, beschreite ich diesen Weg mit euch gemeinsam.

Ich höre schon die Aufschreie „Was?!? Die ist Femdom und hat noch nie einen Sklaven erzogen???“. Was ich aber unter Sklavenerziehung verstehe, werde ich im Folgenden erläutern. Fakt ist, dass ich natürlich im Rahmen von D/S Spielen meinen Subs Regeln auferlegt, Positionen antrainiert und ungewolltes Verhalten abgewöhnt habe. Ganz ohne geht es auch nicht. Aber das sind alles Dinge, die innerhalb eines vorher abgesprochenen Zeitrahmens stattfinden und bei mir bisher nie über eine Session hinausgingen.

Mich interessiert an dem Thema jedoch vor allem, ob eine Sklavenerziehung nur geiles Kopfkino ist oder auch langfristig gelebt werden kann. Neben meiner Internetrecherche, werde ich natürlich auch Menschen treffen, die eigene Sklaven haben und mit diesen zusammenleben. Ich freue mich jetzt schon darauf, von deren Standpunkten, Beweggründen, Praktiken und Erfahrungen zu hören.

Über die einschlägigen BDSM-Plattformen habt ihr bestimmt schon die ein oder andere Mail von Männern erhalten, die euch um eine Ausbildung zum Sklaven gebeten haben. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um devote Männer. In meinem eigenen Postfach finde ich regelmäßig solche Mails. Das Kopfkino der Herren scheint dabei grenzenlos zu sein und gefühlt sind alle zu 100% extrem devot und noch extremer masochistisch veranlagt. Von der Ausbildung zum Leck-, Lust- oder Sexsklaven bis hin zur Dauerkeusch- und Käfighaltung ist alles mit dabei, nichts erscheint zu hart, kein Weg zum  perfekten Sklaven zu lang.

Wenn man den ein oder anderen anschreibt, merkt man allerdings ziemlich schnell, dass es hier oftmals um Phantasien geht, die der eigenen sexuellen Stimulation dienen. Aber gehört das den nicht auch mit dazu? Sollte es nicht beiden Spaß machen? Hier scheiden sich meist die Geister. Die einen sagen, Sklaven wären ausschließlich für das Wohlergehen der Herrin da und haben ihre eignen Bedürfnisse in den Hintergrund zu stellen. Für andere macht gerade die sexuelle Spannung den Reiz an BDSM aus. An dieser Stelle sollte man sich grundsätzlich die Frage nach dem Ziel der Erziehung stellen – BDSM als Lebenseinstellung oder als geiles Vorspiel zum Sex. Meiner Meinung nach fällt das Thema Sklavenerziehung unter das erstere, da der Fokus auf dem Willen der Herrin liegt.

„Ich möchte gefesselt, geschlagen und erniedrigt werden, während du mich ständig geil machst, bis kurz vor den Orgasmus treibst aber nicht kommen lässt…“

Wem kommen solche Inhalte bekannt vor? Atemkontrolle durch Facesitting, Handjobs oder das Lecken der Herrin, werden als „besonders demütigend“ gesehen. Ja, klar. Mal ganz im Ernst, dass hat nach meiner Ansicht nach überhaupt nichts mit einer klassischen Sklavenerziehung zu tun. Ich möchte nicht leugnen, dass ich diese Praktiken nicht geil finde, aber die Vorstellungen von Strafe und Demütigung sehen in meinem Kopf anders aus. Facesitting und Co. würde ich eher unter die Kategorie „Belohnung“ stecken.

Bevor ich tiefer in das Thema einsteige, möchte ich noch ein paar Begriff klarstellen. Bei meinen Definitionen handelt es sich nicht ausschließlich um literarische Ergüsse, die ich im Internet gefunden habe, sondern sie spiegeln meine persönlichen Ansichten wider. Natürlich versuche ich möglichst nahe an der Mehrheitsmeinung zu bleiben, aber nehmt mir kleine Veränderungen bitte nicht übel. Meine Erklärungen beziehen sich ausschließlich auf den BDSM Kontext und sind ssc. (safe, sane, consensual – sicherheitsbewusst, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich)

Bottom, Sub, Sklave, Sklavin

Bottom (Boden, unten) ist die allgemeine Bezeichnung einer unterwürfigen Person, die im Spiel die passive, submissive Rolle einnimmt.

Sub ist als Synonym zum Bottom zu sehen. Als Sub würde ich Personen beschreiben, die die passive Rolle nur im Rahmen einer Session ausleben, eigene Ideen und Wünsche ins Spiel mit einbringen dürfen, aber danach wieder mit dem Spielpartner auf Augenhöhe sind.

Sklave und Sklavin sind meiner Ansicht nach Menschen, die ausschließlich dem Willen des Herren oder der Herrin unterliegen. Sie befinden sich in einer dauerhaften, unterwürfigen Beziehung zum Top. Es gibt beispielsweise Regeln für den Alltag, sie sind respektvoll und ehrerbietig, siezen die Herrschaft und leben teilweise sogar im selben Haushalt. Sie werden ebenso für alltägliche Aufgaben wie Putzen, Wäsche waschen oder Einkaufen eingesetzt. Wann oder in welcher Form eine Session stattfindet, entscheidet alleine der aktive Part.