Es ist elf Uhr an einem Sonntagmorgen. Mein Sub hat sich soeben verabschiedet und auf den Heimweg gemacht. Ich selbst stehe in meinem Wohnzimmer und beginne die restlichen Spielsachen aufzuräumen, klappe die Sichtschutzwände zusammen und versetze meine Wohnung wieder in ihren Normalzustand. Noch schnell das große Tuch über den Käfig geworfen und ein paar Möbel zurück auf ihren ursprünglichen Platz geschoben, fertig.

Leicht erschöpft vom Vortag setze ich mich aufs Sofa. Es ist still um mich herum. Außer meiner Katze, die schlafend neben mir liegt, ist niemand hier. Mein Blick schweift durch den Raum. Vor meinem geistigen Auge lasse ich die Session von gestern noch einmal revue passieren.

Als Erstes denke ich daran, wie mein Sub bei mir eintrifft, sich wie befohlen positioniert und ich ihn vom Ende des Flurs aus beobachte. Später liegt er gefesselt im Käfig und wartet darauf, was wohl weiterhin mit ihm passieren wird, als es plötzlich an der Haustür klingelt.

In einer anderen Sequenz steht er mit verbundenen Augen, die Arme auf den Rücken gebunden und mit Hilfe eines Seilzugs leicht nach oben gezogen, in der Mitte des Raumes. Seine Hoden sind mit einem dünnen Baumwollseil abgebunden, das Seilende liegt in meinen Händen während ich ihn mit der Gerte auf den Arsch schlage.

Als Nächstes sehe ich das Miststück, wie er mit steifem Schwanz vor mir kniet. Zwischen mir und ihm liegt ein Silbertablett. Eine Freundin sitzt neben mir auf einem Stuhl. Ihr Sub liegt vor ihr auf dem Boden, den Kopf auf ihren Beinen abgelegt. Beide beobachten mich, wie ich meinem Sub drei ruinierte Orgasmen hintereinander bereite und er dabei auf das Tablett abspritzt. Natürlich musste er jeden Tropfen davon auflecken.

Plötzlich bin ich wieder zurück in der Realität. Mein Handy piept. Nein, es ist keine Nachricht von einem lieben Menschen, nur eine dieser unzähligen sinnlosen Werbemails, die auf meinem E-Mail-Postfach eingehen. Enttäuscht lege ich das Handy zur Seite und schwelge weiter in Erinnerungen. Melancholie macht sich in mir breit. Ist es wirklich schon wieder vorbei? Gestern hatte ich noch das Gefühl, die Session würde nie enden können und heute sitze ich wieder alleine in meinem Wohnzimmer, das gestern zum SM-Schauplatz mutierte.

Stille, nichts als Stille. Ein Tag nach einer Session, an dem ich weder meinen Mann zuhause antreffe, noch mit Freunden verabredet bin oder arbeiten muss, fühlt sich für mich extrem unangenehm an. Es ist wie Sex ohne danach zu kuscheln. Oder wie ein Kinofilm mit offenem Ende. Man durchlebt gemeinsam eine geile Zeit, frühstückt am nächsten Morgen zusammen im Bett und plötzlich sitzt man alleine zu Hause oder im Auto und blickt wehmütig zurück anstatt sich auf das nächste Treffen zu freuen. Als Dom hat man immer die Zügel in der Hand, verschafft sich Befriedigung wann immer man möchte und hat ständig die volle Aufmerksamkeit… bis zu dem Zeitpunkt, an dem jeder wieder in den Alltag zurück kehrt.

Natürlich habe ich das Gefühl nicht nach jeder Session und es hängt auch stark von meinem Spielpartner ab. Das Privileg meiner Anwesenheit über eine Session hinaus, haben nur ganz wenige, besondere Subs. Mit ihnen verbindet mich mehr als nur das Spiel alleine und sie sind vermutlich die einzigen, die diese Stimmung bei mir erzeugen können. Normalerweise bekommen mich mein Mann oder Freunde aus solchen Stimmungstiefs ganz gut heraus, aber wie bereits gesagt, heute bin ich alleine zu Hause, sitze auf dem Sofa und blicke wehmütig aber zufrieden durch den Raum…