Der ein oder andere wird es vielleicht nicht öffentlich zugeben, aber sind wir doch mal ehrlich zu uns selbst. Wer sieht sich nicht gerne schöne Fotos von sich selbst an? Fotos, auf denen unsere Vorzüge erst so richtig zur Geltung kommen. Fotos, auf denen wir durch sexy Posen unseren Körper in Szene setzen und vielleicht sogar die ein oder andere Problemzone kaschieren. Ich muss zugeben, manchmal braucht mein Ego einfach solche Bilder für seinen inneren Seelenfrieden.

Mein erstes Shooting hatte ich bereits vor knapp einem Jahr, in der Gründungsphase meines Blogs mit Crepax, einem befreundeten Hobby-Fotografen. Die Bilder waren vorrangig für die optische Gestaltung des Blogs gedacht. Nach dem Shooting war ich allerdings so begeistert, dass ich manche davon auch für meine privaten Profile in den einschlägigen SM-Communities nutzte.

Im Vorfeld des Shootings trafen wir uns zum Kaffee und skizzierten bereits ein paar Szenarien für die Bilder, stellten die entsprechende Kleidung dafür zusammen und legten das Make up fest, was ich im Übrigen selbst auflegte. Er zeigte mir auch ein paar seiner Werke und erzählte von der Entstehung der Bilder. Bereits hier fiel mir ein Leuchten in seinen Augen auf, was auch später beim Fototermin wiederkehrte.

Dieser fand damals direkt in seinem Wohnzimmer statt. Die Wände wurden mit schwarzem Stoff abgehängt und zusammen mit der Fotoausrüstung wirkte das Ganze sehr professionell. Es dauerte ein wenig, bis ich mich an die Kamera und meine Umgebung gewöhnt hatte. Aber mit Crepax´s Hilfe habe ich dann doch noch in die richtigen Posen gefunden. Obwohl ich anfangs echt nervös und unsicher war, empfand ich es trotzdem als sehr angenehm, mich von ihm fotografieren zu lassen. Seine Leidenschaft für sein Hobby war deutlich spürbar, er war authentisch und mit vollem Eifer bei der Sache. Was sich auch in den Fotos widerspiegelte.

Mit dabei waren an diesem Tag auch seine Frau und mein Mann, die am Rande des Geschehens immer mal wieder ihren SM-Vorlieben nachgingen. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass die beiden eine Spielbeziehung pflegen und sie die Dom meines Mannes ist. Er lag gefesselt zu ihren Füßen, verschnürt wie ein Paket. Wehrlos und ausgeliefert lag der 1,87 m große, gut gebaute Mann vor ihr auf dem Boden. Sein leises, lustvolles Stöhnen, wenn sie an seinen Nippelklemmen zog, mischte sich mit dem Klicken der Kamera und sorgte so für die richtige Atmosphäre.

Mit dieser Szene vor Augen fahre ich durch ein Industriegebiet in einer Stadt in Österreich. Um mein Ziel zu erreichen, manövriert mich mein Navi durch die Pforten eines schweren Eisentores, direkt in einen Hinterhof, der zum Areal der österreichischen Bundesbahn gehört. Es ist ein sonniger und warmer Herbstnachmittag. Ich steuere zielsicher den Parkplatz an, als ich bereits zwei bekannte Gesichter sehe, die auf mich warten. Meine Fotografin Elfi, die ich bereits flüchtig von diversen Veranstaltungen im Avatar kenne und eine gute Freundin. Später werden noch mein Sub, eine Visagistin und ein guter Freund der Fotografin, der sie an diesem Tag bei der Beleuchtung unterstützt, hinzustoßen.

Nach einem kleinen Plausch und ein, zwei Zigaretten später begeben wir uns eine eher unscheinbare Treppe hinab, die zu den Kellerräumen des Hauptgebäudes führt. Elfi dirigiert uns zielsicher durch die verwinkelten Gänge des alten Gebäudes, bis wir schließlich am Fotostudio ankommen. Mit dabei ein großer Reisekoffer voller Fetischkleidung, Schuhe und Accessoires. Natürlich dürfen auch diverse Spielsachen wie Rohrstock, Gerte, Seile, Halsband und Handschellen nicht fehlen, um nur ein paar davon zu erwähnen.

So nach und nach trudeln auch die anderen drei Akteure in der Location ein und die Visagistin beginnt mit meinem Make up. Ich habe keinen Spiegel vor mir stehen, daher sehe ich das Ergebnis ihrer Arbeit als Letzte. Schon ein komisches Gefühl, wenn dir jemand eine Schicht Make up nach der anderen ins Gesicht pinselt, du in strahlende Gesichter blickst, die dich währenddessen beobachten, selbst aber keinen blassen Schimmer davon hast, wie du gerade aussiehst.

Als ich wenig später das Ergebnis sehe, bin ich begeistert. Nun kann das Shooting endlich losgehen. Nach einem kurzen warm-up schlüpfe ich in mein erstes Outfit. Es besteht aus Plateau-Lederstiefeln mit Pfennigabsatz, Lederleggins, weißer Bluse und einer Unterbrustkorsage. Die Bilder sollen diesmal eher die klassische Domina zeigen. Bewaffnet mit Handschellen, Peitsche und diversen anderen Accessoires pose ich vor der zunächst einmal weißen Leinwand des Studios.

Einige Outfits, Einstellungen und Hintergründe später haben wir rund 400 Bilder im Kasten. Dass wir dabei bereits seit gut fünf Stunden im Studio stehen, fällt uns erst auf, als wir nach Langem wieder einmal auf die Uhr sehen. Wir hatten die letzten Stunden soviel Spaß, dass die Zeit zur Nebensache wurde. Elfi ist eine unglaubliche Fotografin, voller Leidenschaft, Euphorie und Authentizität. Sie brennt regelrecht für ihre Arbeit und mit ihr wird es auf keinen Fall langweilig.

Noch am selben Abend bekomme ich eine vorsortierte Auswahl mit rund 300 Bildern zur Ansicht. Gemeinsam mit meinem Sub klicke ich mich durch die Aufnahmen und lege die ersten Favoriten fest. Bis ich die Fotos auf die vereinbarte Stückzahl reduziert hatte, sollten allerdings noch drei Tage vergehen.

Mit diesem Artikel bedanke ich mich nochmals bei Elfi und Crepax für ihre Arbeit. Sie sind beide sehr leidenschaftliche Fotografen, die ihr Handwerk verstehen. Ich würde jederzeit wieder gerne mit den beiden zusammenarbeiten.