Worin liegt der Reiz, sich einer Frau sexuell zu unterwerfen? Eine Frage, die ich oft höre, wenn sich Außenstehende über das Thema „BDSM“ unterhalten. Im Rahmen eines Interviews mit drei ganz unterschiedlichen, aber auf ihre eigene Weise unterwürfigen Männern, versuchte ich eine Antwort darauf zu finden.

Harald, Stefan und Fabian – alle drei spielen gerne in der unterwürfigen Rolle und erklärten sich dazu bereit, diesen Reiz aus ihrer Sicht zu schildern.

Den Anfang macht Fabian. Er arbeitet im sozialen Bereich und muss berufsbedingt eine dominante Rolle einnehmen. Er ist überwiegend devot und leicht masochistisch veranlagt.

„Fabian, worin liegt für dich der Reiz, sich einer Frau sexuell zu unterwerfen?“

„Für mich liegt der Reiz darin, beherrscht zu werden. Und zwar auf eine Art und Weise, wie ich nur von einer Frau beherrscht werden kann. Ein Mann ist nun einmal triebgesteuert, was auch seine größte Schwachstelle ist. Wenn der Mann es zulässt, dass dieser Urtrieb von einer Frau kontrolliert wird, wird dadurch das Machtgefälle extrem sichtbar und auch spürbar. Der Gedanke, dass mich eine „schwache“ Frau unterwirft, indem sie beispielsweise über meine Sexualität komplett bestimmt, macht mich ziemlich an. Ich finde es sexuell extrem erregend, deshalb lasse ich mich auch gerne über längere Zeit hinweg keuschhalten.“

„Würdest du sagen, die Enthaltsamkeit steigert deine sexuelle Lust?“

„Durchaus. Alleine die Tatsache, dass ich keine Kontrolle mehr über meine Sexualität habe, führt für mich zu einer extremen Luststeigerung. Ich erlebe SM-Sessions viel intensiver, wenn ich zuvor ein paar Tage keusch gehalten wurde. Je größer der Zeitraum ist, in dem ich weder wichsen noch einen Orgasmus haben darf, desto größer ist meine Geilheit und ich kann SM-Erlebnisse wesentlich intensiver wahrnehmen.“

Der zweite Mann im Bunde ist Harald. Seine Neigungen würde ich als überwiegend devot beschreiben. Schmerzen empfindet er weniger als Lust, sondern viel mehr als Druckmittel, um ihn noch tiefer in die devote Haltung zu bringen.

„Harald, du unterwirfst dich sexuell gerne einer dominanten Frau. Wie kam es dazu und worin liegt für dich der Reiz?“

„Am Anfang waren da gar keine Gedanken in diese Richtung. Erst mit der Zeit, als das „normale“ allmählich zur Routine wurde, machte ich mir Gedanken. Es musste doch mehr geben, als nur den herkömmlichen Sex. Mit meiner Partnerin zusammen habe ich dann begonnen, verschiedene Spielzeuge auszuprobieren. Anfangs noch Dildos, primär für sie, später dann auch Spielzeuge wie beispielsweise Analplugs, Strap-on und KG (Keuschheitsgürtel) für mich. Spielzeuge alleine reichten mir irgendwann auch nicht mehr aus. Wir begannen mit gegenseitigen Fesselspielchen. Dabei merkte ich sofort, dass die devote Seite einen großen Reiz auf mich ausübt. Gefesselt oder fixiert zu werden gab mir einen besonderen Kick. Vor allem in Kombination mit diversen Spielzeugen.“

„Wie reagierte deine Partnerin auf deinen Wunsch, etwas Neues auszuprobieren?“

„Sie fand anfangs eher weniger Gefallen daran. Ich musste etwas Überzeugungsarbeit leisten bis der Kauf der Spielzeuge genehmigt wurde. Das hat sich aber mit der Zeit geändert und sie hat jetzt selbst ihren Spaß daran gefunden.“

„Worin liegt bei dir der Reiz an der weiblichen Dominanz?“

„Mich reizt dabei das Ausgeliefert sein. Dass sie sagt, wo es langgeht und was mit mir passiert. Feminisierung oder die Drohung, einmal von einem Mann bestiegen zu werden, wirken dabei wie Brandbeschleuniger. Sie lösen bei mir eine noch deutlich stärkere Erregung aus und ich unterwerfe mich noch weiter. Die Unterwerfung ist für mich wohl eine Möglichkeit dem Alltag zu entfliehen, tun zu müssen, was die Frau sagt und verlangt. Einfach einmal selber zum Spielzeug degradiert zu werden. Der Frau ausgeliefert zu sein, nicht zu wissen, was sie wann vorhat, auf was sie Lust hat und es dementsprechend umsetzt, das ist es, was den Reiz für mich ausmacht.“

Zu guter Letzt wäre da noch Stefan. Er ist Switcher und liebt Sex in allen möglichen Varianten. Obwohl er nicht sonderlich devot ist, unterwirft er sich mir mit voller Hingabe.

„Stefan, du bist Switcher. Im Gegensatz zu deinen Vorrednern, macht es dir ebenso große Freude, Frauen nach deinen Wünschen im Spiel zu unterwerfen. Aber dennoch lässt du dich gleichermaßen von einer Frau dominieren. Worin liegt für dich der Reiz, dich einer Frau sexuell zu unterwerfen?“

„Ich habe mich schon oft gefragt, worin genau der Reiz liegen könnte, sich einer Frau zu unterwerfen. Ehrlich gesagt, habe ich bis heute noch keine wirklich befriedigende Antwort darauf für mich gefunden. Sicherlich sind die Gründe dafür nicht bei jedem Mann dieselben. Ich persönlich bin nicht alltagsdevot und empfinde diesen Reiz lediglich in einem sexuellen Spiel erregend. Daher denke ich, dass es für mich hauptsächlich mit den sexuellen Rollenbildern von Mann und Frau zu tun hat.“

„Wie sehen diese Rollenbilder für dich aus?“

„Als Mann ist man es gewohnt, eine Frau erobern zu müssen. Das klassische Rollenbild sieht den Mann dabei also in einer sehr aktiven Rolle. In der Regel muss  „Mann“ sich für eine Frau interessant machen, Ihre Leidenschaft wecken, sie „rumkriegen“. Übernimmt jedoch die Frau die dominante Rolle, fällt all das weg. Der Mann wird zum Spielobjekt der Frau und muss sich keine Gedanken darüber machen, zu gefallen. Er muss einfach nur funktionieren. Die Frau nimmt sich was sie möchte und sorgt damit selbst für Ihr Vergnügen. Somit kann man sich als Mann völlig fallen lassen, passiv sein und sich überraschen lassen, was mit ihm geschieht. Dieser Ausbruch aus dem klassischen Rollenbild ist eine sehr aufregende Erfahrung, besonders natürlich mit einem Spielpartner, dem man zu 100% vertraut.“

Mein Fazit: Drei Männer, die ihre devote Ader auf verschiedene Weise ausleben, aber im Grunde eines gemeinsam haben: Sie genießen es, die Kontrolle an die Frau abzugeben, sich zu unterwerfen, um IHR als Lustobjekt zur Verfügung zu stehen. Ein sehr schöner Gedanke aus der Sicht der dominanten Rolle…