Auf der Suche nach „Frischfleisch“ oder einfach nur aus Neugierde durchstöbere ich gelegentlich die Profile anderer Mitglieder in den bekannten BDSM-Communities. Häufig finde ich dabei den Beziehungsstatus „offene Beziehung“ und das nicht nur bei Paarprofilen… Habt ihr euch schon einmal gefragt, was dabei dahinter steckt oder wie das praktiziert wird? Oder habt ihr den Begriff schon einmal gegoogelt?

Ich selbst lebe in einer offenen Beziehung. Wie es dazu kam, was mich emotional bewegt hat und wie wir unseren ganz eigenen Weg gefunden haben, möchte ich euch heute im folgenden Beitrag erzählen.

Ehrlich gesagt, konnte ich mit den Worten „offene Beziehung“ vor ein paar Jahren auch noch nicht viel anfangen. Bis zu diesem einen Tag im September 2014, an dem mein damaliger Freund, nach 4 Jahren Beziehung, den Wunsch äußerte, unsere Beziehung zu öffnen. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie ich mich damals gefühlt habe. Offene Beziehung? Bin ich ihm nicht mehr gut genug? Oder hat er vielleicht eine andere und möchte damit nur sein schlechtes Gewissen beruhigen? Tausend Fragen und Gedanken gingen mir innerhalb von Sekunden durch den Kopf.

Den anfänglichen Schreck musste ich erst einmal verdauen. Ohne eine konkrete Antwort ließ ich ihn im Wohnzimmer stehen und verzog mich ins Schlafzimmer. Dort schnappte ich mir meinen Laptop, setzte mich aufs Bett und durchforstete das Internet. Ich lass Forenbeiträge, Reportagen, Erzählungen, Checklisten, Regelwerke…einfach alles was mir in die Hände fiel. Unter anderem auch Berichte von Menschen, die damit bereits gescheitert waren. Das Netz war voll mit guten und schlechten Postings.

Als ich die Flut an Informationen für mich selektiert hatte und die ersten Eindrücke verarbeitet waren, wurde mir schnell klar, dass eine offene Beziehung auch Vorteile haben kann. Mein Partner kann mir schließlich auch nicht alle Wünsche im Bett erfüllen. Wenn wir die Beziehung „nur“ auf der sexuellen Ebene öffnen, müsste ich auf nichts mehr verzichten. Ich könnte mir für jede Praktik, Technik oder Vorliebe einen eigenen Lover suchen. Der Gedanke gefiel mir zunehmen besser.

Natürlich hatte ich auch starke Bedenken. Was, wenn sich einer von uns dabei ernsthaft verliebt? Wenn mein Freund eine andere kennenlernt und mit ihr zusammen sein will? Dass ich mich dabei selbst auch verlieben könnte, hatte ich nie auf dem Schirm. Die Angst ,verlassen zu werden, war um ein Vielfaches größer. Klar besteht dieses Risiko nach wie vor. Man darf es auch nicht unterschätzen. Gefühle passieren und sind nur schwer zu kontrollieren.

Nachdem mein Wissendurst gestillt war, suchte ich einige Zeit später das Gespräch zu meinem Partner. Seine Körpersprache verriet mir, dass er es wohl jetzt schon bedauerte, mich überhaupt damit konfrontiert zu haben. Meine erste Frage an ihn war:

„Was verstehst du unter einer offenen Beziehung?“

Es folgte eine lange, emotionale und intensive Debatte. Der Hintergrund, warum er die Beziehung öffnen wollte, war lediglich die Idee, dass wir uns auch mit anderen Paaren zum Spielen treffen könnten. Ein Partnertausch im SM-Kontext wäre seiner Ansicht nach dadurch problemlos möglich. Sex war für ihn dabei eher zweitrangig. Dennoch räumte er mir die Möglichkeit ein, mit anderen Männern auch Sex haben zu können, wenn ich es wollte.

Ich muss dazu sagen, dass Eifersucht für ihn nie ein Thema war. Seitdem wir uns kennen, war er kein einziges Mal eifersüchtig. Ganz im Gegenteil. Er freut sich sogar für mich, wenn ich mit anderen, inzwischen auch ohne ihn, meinen Spaß habe. Nach den Treffen reden wir viel darüber. Wir gehen dabei nicht immer ins Detail. Sex interessiert ihn beispielsweise überhaupt nicht. Er hört viel lieber, was ich im Rahmen einer SM- Session mit anderen alles anstelle. Davon kann er manchmal nicht genug hören.

Zu Beginn hatten wir noch ein ziemlich umfangreiches Regelwerk. Darin standen beispielsweise Sachen wie, „Übernachten ist tabu“, „kein Spiel zu zweit in der eigenen Wohnung“, „kein Spiel mit Singles“ und noch einiges mehr. Nach und nach haben wir eine Regel nach der anderen über Bord geworfen. Die einzigen, die noch Bestand haben, sind „Offenheit“, „Ehrlichkeit“ und „Safer Sex“.

Wir kennen auch grundsätzlich die Spiel- und Sexpartner des anderen. Nicht alle persönlich, aber zumindest von Bildern und Erzählungen. Ich möchte noch erwähnen, dass wir inzwischen glücklich verheiratet sind. Manche meiner Männer finden das Ganze ziemlich schräg und mögen lieber keinen persönlichen Kontakt zu meinem Mann. Die Frauen hingegen sind da wesentlich offener, vielleicht aber auch etwas misstrauischer. Weshalb diese sehr gerne den persönlichen Kontakt zu mir suchen und ich daher auch die Bekanntschaften meines Mannes persönlich kenne.

Eine offene Beziehung kann meiner Meinung nach nur funktionieren, wenn die eigene Partnerschaft gesund ist und man offen mit dem Thema umgehen kann. Natürlich gab es auch bei uns schon schwierige Phasen, in denen unsere Ehe und Partnerschaft hart auf die Probe gestellt wurde. Aber gerade diese Momente zeigen uns, dass unsere Beziehung auf allen Ebenen des Lebens so stark ist, dass wir damit umzugehen wissen. Wir fanden gemeinsam eine Lösung, wo andere vor uns bereits gescheitert waren.

Fazit: „Kommunikation ist der Schlüssel zum Glück“! Obwohl sie natürlich auch in einer monogamen Partnerschaft wichtig ist, ist sie für eine offene Beziehung überlebensnotwendig.