Kennt ihr das? Ihr sitzt in gemütlicher Runde mit Gleichgesinnten, plaudert über die letzte Playparty, über die anwesenden Gäste, deren Kleidung und Spielereien, bis irgendwann der Satz fällt „das sind eben keine richtigen SMler“. Meist wurde zuvor bemängelt, dass Subs zu sehr auf Augenhöhe, manche Kleidung zu alltäglich und das Verhalten der Zuschauer unangemessen war. 

Auf Nachfrage in die Runde orientieren sich die Meinungen meist an den Vorlieben der Beteiligten. Beispielsweise sagen Latexliebhaber, ein SMler müsse Fetischkleidung tragen. Abendkleid und Anzug wären unangemessen. Für jemanden, der SM auch im Alltag praktiziert, also 24/7, ist das Machtgefälle zwischen Dom und Sub zu soft, wenn der Bottom ein Mitspracherecht hat oder sogar mit seiner Herrin/ihrem Herren auf Augenhöhe ist. Ihnen fehlt hier die Strenge im Spiel. Aber was sind nun „richtige“ (BD)SMler? Gibt es die überhaupt? 

Eines Tages kam ich auf die grandiose Idee, diese Frage in einem Erotik- und Dating-Portal zu stellen. Um eine möglichst große Streuung der Antworten zu bekommen, habe ich mich bewusst gegen ein reines SM-Portal entschieden.

Wie erwartet, wird das Thema hitzig diskutiert. Von außen betrachtet ist es eine Diskussion zwischen zwei Gruppen von Menschen. Die einen, die fest in der SM-Szene etabliert sind und die anderen, die es gerne sein möchten, sich aber nicht ernst genommen oder sogar ausgegrenzt fühlen. Nicht zu vergessen die Nebendarsteller oder auch überflüssiger Content. Das sind User, deren Beiträge man in jedem x-beliebigen Thread findet. Sie haben eigentlich keine Ahnung von der Materie, diskutieren aber trotzdem fleißig mit. 

Wissenschaftlich repräsentativ ist eine Diskussion in einem Forum nicht, dennoch spiegelt sie eine allgemeine Meinung der Debattierenden zum Thema wieder. Ein Teil der User ist der Meinung, man solle nicht in Kategorien oder Schubladen denken, sondern alle Meinungen respektieren und tolerieren. Jeder solle „sein“ BDSM so leben dürfen wie er möchte. Oh ja, das leidige Thema mit der Toleranz… Am liebsten hätte ich dazwischen gerufen „Wie wäre es, wenn ihr einfach meine Frage beantwortet, anstatt mir eine Moralpredigt zu halten?“

An dieser Stelle sei noch ein kleiner Einschub bezüglich Kategorisierung erlaubt. Wie soll ich einen passenden Spielpartner finden, wenn ich nicht in Schubladen denken darf? Bizarrliebhaber, die auf gelegentlichen Fesselsex mit Plüschflogger und Augenbinde stehen, sind schließlich nicht dasselbe, wie Sklaven, deren sexuelle Lust sich aus Devotion und Schmerz speist. Beides ist meiner Meinung nach eine Form von BDSM, allerdings in total unterschiedlichen Ausprägungen. 

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Eine weitere Meinung ist, dass SM eine momentane Modererscheinung ist, jeder es hip oder cool findet und dazugehören möchte. Dadurch wird das elitäre und verruchte Image des BDSM aufgeweicht. Der Versuch, SM gesellschaftsfähig zu machen, nimmt ihm zugleich das Geheimnisvolle, den Gedanken, etwas Unmoralisches zu tun, mit einem Tabu zu brechen, das Gefühl, anders, besonders zu sein und sich von der breite Masse abzuheben. Ein Umstand der glauben lässt „früher war alles besser“?

Dann gibt es noch die Theoretiker, die BDSM mit Hilfe von Definitionen erklären. Es ist von Sadomasochismus, Unterwürfigkeit, Führung, Bondage und Neigungen die Rede. Meiner Meinung nach ist das die einzige Gruppe, die meine Frage weitestgehend beantworten kann. 

Ihren Aussagen zur Folge sind richtige SMler Menschen, die eine Neigung in sich tragen, es also entweder lieben, Schmerz zu empfangen oder zu geben, selbst Führung geben oder geführt werden wollen, einen Fetisch haben sowie andere gerne fesseln oder sich selbst geboren fühlen, wenn sie in Fesseln liegen. Die verschiedenen Praktiken sind in ihren individuellen Ausprägungen und Härtegraden notwendig, um das gewünschte Ergebnis, den Höhepunkt der Lust, zu erzielen.

Meine persönliche Meinung? 

Jemanden als „richtigen“ SMler zu bezeichnen ist unmöglich. Der Bereich BDSM ist zu umfangreich, um ihn so stark zu bewerten. Jedoch lässt er sich ganz gut unterteilen, in Sadismus, Masochismus, Dominanz, Submission, Bondage, Fetischismus. Hinter diesen Begriffen findet man verschiedene Ausprägungen und Praktiken, um die jeweilige Neigungen oder Vorliebe zu befriedigen. Fußfetisch, Petplay, Feminisierung, Schlagspiele, Folienbondage, Rollenspiele, Klink und 24/7 sind nur wenige Beispiele dafür. 

Ein SMler ist für mich eine Person, die auf BDSM steht und sich damit sexuelle Lust und Befriedigung verschafft. Dabei ist es unwichtig, ob jemand seine sexuelle Befriedigung alleine durch BDSM erlangt oder diese durch den Sex danach hat. Für mich persönlich machen körperliche Nähe und Anziehung sowie Geborgenheit und Verstand im Einklang mit soften und harten Praktiken, BDSM aus. Wie ich BDSM auslebe hängt meist von meiner persönlichen Tagesform und meinem Spielpartner ab.

Aber vielleicht bin ich auch nur ein moderner Querdenker, für den BDSM weitaus mehr ist, als eine abartige und perverse Art, sexuelle Befriedigung zu erlagen?