Endlich ist der passende Spielpartner gefunden und der Termin für eine erste, gemeinsame Session rückt näher – und nun?!? Wie geht es weiter? Diese Frage habe ich mir zu meinen Anfangszeiten x-mal gestellt. Jetzt, acht Jahre später, weiß ich, dass ich damals viel zu verkrampft nach der „perfekten Session“ gesucht und auch viel zu viel Wert auf die Meinung anderer gelegt habe.

Durch meine damaligen Internetrecherchen hatte ich viele hilfreiche Tipps bekommen. Jedoch war da auch ein Negativbeispiel, dass mich lange beschäftigt und den Druck aufrechterhalten hat. Vielleicht seid ihr auch schon über den ein oder anderen Beitrag eines vermeidlich „erfahrenen“ Doms gestolpert, der behauptete: „Die Planung und das Gelingen der Session hängt alleine vom aktiven Part ab.“ Sprich, die Dom ist Schuld, wenn die Session misslingt. Absoluter Bullshit – wie ich heute weiß. Aber damals konnte ich es einfach nicht differenzieren…

Kommen wir nun zum wesentlichen Teil – der Session.

Meiner Erfahrung nach, spielt jeder für sich etwas anders. Die einen mögen eher den klassischen Ablauf, andere Spielen auch gerne aus dem Alltag heraus. Wie ihr es letzend Endes handhab, überlasse ich ganz euch. Für lange und intensive Sessions mag ich persönlich lieber den klassischen Ablauf, da er für mich den Alltag und das Spiel voneinander abgrenzt. Ich tauche dadurch tiefer in meine Rolle ein und kann das Spiel noch mehr genießen.

Vorbereitung einer Session

Bevor ihr mit der Planung der Session beginnt, solltet ihr von eurem Spielpartner ein paar wichtige Eckdaten einholen:

  • Was sind seine/ihre Neigungen/Vorlieben
  • Hat er/sie „no gos“?
  • Gibt es gesundheitliche Einschränkungen? z.B. Allergien, Asthma, Gelenkprobleme…
  • Sind negative Trigger vorhanden? (Gewalt in der Vergangenheit, Hänseleien, Mobbing – alles sehr private Dinge. Aber für euch als Top wichtige Informationen)

Die Location

Hier gibt es verschiedenen Möglichkeiten. Ihr könnt ein Mietstudio oder Spielapartment anmieten, was den Vorteil hat, dass dort Gerätschaften und Fixierungsmöglichkeiten vorhanden sind, Diskretion und Privatsphäre gewährleistet ist und es den Ausstieg aus dem Alltag erleichtert. Allerdings sind solche Locations auch nicht immer preisgünstig.

Eine Alternative dazu bietet die eigene Wohnung oder die des Spielpartners. Mit etwas Kreativität wird ein Stuhl zu eurem Thorn, eine Klimmzugstange zur Fesselmöglichkeit im Stehen oder Saugheber zu variablen Fixierungsmöglichkeiten an glatten Flächen (nicht für Hängebondage geeignet). Jetzt nur noch die Fenster schließen und abdunkeln, Handy und Türklingel lautlos stellen, ein paar Teelichter oder Kerzen drapieren, je nach Geschmack Duftlampen oder Räucherstäbchen anzünden und das Spiel kann beginnen.

Sicherheitshinweis:

Egal wo ihr spielt, prüft bitte im Vorfeld alle Gerätschaften, Haken und Fixierungsmöglichkeiten auf ihre Sicherheit. Wir wollen ja schließlich nicht, dass sich Sub unnötig verletzt. Behaltet Kerzen und offenes Feuer stehts im Auge. Wer gemietete Spielzimmer und fremde Wohnungen nutzt, sollte immer wissen, wo sich Notausgänge, Feuerlöscher und Verbandkasten befinden.

Regeln für die Session

Legt für die Session Regeln fest. Diese dienen nicht nur zur Bestrafung, wenn sie gebrochen werden, sondern geben euch mehr Sicherheit. Beispielsweise darf Sub euch nicht ungefragt ansehen, anfassen oder mit euch sprechen. Er/sie muss warten bis ihr es erlaubt.

Der Einstieg

Ein beliebter Einstieg ist es, Sub irgendwo in der Location, in einer von euch vorgegeben Position warten zu lassen. Das gibt euch als Top und eurem Bottom jeweils die Möglichkeit, herunterzufahren und euch auf eure Rolle einzulassen. Wenn ich mit meinem Sub spiele, steigen wir immer direkt in die Session ein. Das heißt, die Stinobegrüßung entfällt.

Spielen wir bei mir, lehne ich die Haustüre an, wenn ich sehen, dass er mit seinem Auto vorfährt. Er kommt in die Wohnung, zieht sich aus und wartet in seiner Sklavenhaltung im Hausflur bis ich bereit bin, ihn zu empfangen. Im umgekehrten Fallen, wenn wir bei ihm spielen, legt er den Schlüssel unter die Fußmatte und platziert sich auf dieselbe Weise. Dort angekommen beachte ich ihn anfangs gar nicht oder fahre kurz mit meinen Fingernägeln über seinen Rücken, um ihn dann unbeachtet liegen zu lassen. In aller Ruhe packe ich meine Sachen aus, ziehe mich um und streife etwas durch die Wohnung bis ich bereit für die Session bin.

Das Halsband als Zeichen für den Beginn der Session

Die Session selbst starte ich gerne mit einem kleinen Begrüßungsritual. Dafür rufe ich meinen Sub zu mir, er kniet sich vor mich, ich lege ihm sein Halsband an, danach folgt auf Befehl der Begrüßungskuss auf meine Fußspitzen und den Handrücken.

Anschließend beginnt der Hauptteil der Session. Hier könnt ihr euren Gelüsten und Neigungen, im vorab vereinbarten Rahmen, freien Lauf lassen. Es gilt die Divise: „weniger ist mehr“. Klar, könnt ihr euch zu Beginn eine Liste machen, was ihr gerne in der Session umsetzen wollt. Aber erzwingt nichts. Nehmt euch Zeit für die einzelnen Praktiken, genießt sie in vollen Zügen, lasst euch verwöhnen. Benutzt ihn/sie als Lustobjekt, zu Trainingszwecken oder einfach „nur“ als euer Spielzeug. Wenn ihr auf etwas keine Lust habt, dann macht es nicht. Sub merkt ohnehin sofort, wenn ihr es nur wegen ihm/ihr macht.

Der Ausklang

Als Zeichen für das Ende der Session nehme ich meinem Sub das Halsband ab und hole ihn zurück auf Augenhöhe. Meist kuschelt er noch eine ganze Weile mit meinen Füßen, bis er wieder vollkommen in der Realität zurück ist. Wieviel körperliche Nähe ihr danach zulassen wollt, entscheidet ihr. Ihr solltet es ihm/ihr aber nicht komplett verweigern. Oftmals reicht es sogar, wenn sie sich „nur“ an eure Füße schmiegen dürfen, während ihr deren Kopf krault.

Schickt euren Spielpartner direkt nach der Session nicht einfach nach Hause. Ein kleines Gespräch über das Erlebte sollte auf jeden Fall noch drin sein. Denn, nach der Session ist vor der Session…